Was ist Inkontinenz-Physiotherapie?
Inkontinenz ist die Bezeichnung für unkontrollierbaren Harnverlust oder Stuhlverlust. Bei Frauen tritt Harninkontinenz sehr häufig auf. Unfreiwilliger Harnabgang ist bei Frauen ein häufiges Leiden. Ungefähr 15% der 30-40jährigen, 25% der 40-50jährigen, bis zu 60% der Frauen über 60 Jahren und 10% aller Männer über 55 Jahren
sind davon in verschiedenen Schweregraden betroffen. Da ungewollter Urin- oder Stuhlverlust aber peinlich ist, wird das Thema meistens nicht einmal mit dem Gynäkologen besprochen.
Inkontinenz ist nicht nur eine schulmedizinische Diagnose, sondern wirkt sich gravierend auf die Lebensqualität und die soziale Befindlichkeit aus.
Damit Sie kontrolliert Wasser lösen oder zurückhalten können, ist ein kompliziertes, funktionstüchtiges Zusammenspiel von Nerven, Muskeln und inneren Organen notwendig.
Der Gynäkologe / Urologe unterscheidet im Wesentlichen zwei Arten von Inkontinenz, die in gewissen Schweregraden mit Physiotherapie behandelbar sind: Die Stressinkontinenz und die Urge-/ Drang-Inkontinenz.
Stressinkontinenz:
Dies ist die häufigste Art von Harn-Inkontinenz, circa 70% aller Inkontinenzformen. Bei körperlicher Belastung übersteigt der Blasendruck den Verschlussdruck der Harnröhre, so dass unwillentlich Urin ausfliessen kann.
Es werden drei Schweregrade unterschieden:
Grad 1 bedeutet Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen, Grad 2 beim Heben schwerer Lasten, Treppensteigen, Laufen, Grad 3 beim Stehen, nicht aber im Liegen.
Die häufigste Ursache einer Stressinkontinenz ist ein Ungenügen der Beckenboden-Kraft.
Urge-/Dranginkontinenz:
Der Drang, Wasser zu lösen, ist so zwingend, dass es zu unfreiwilligem Harnverlust kommt. Typische Symptome sind häufiges Wasserlösen mit kleinen Harnmengen. Die Urge-Inkontinenz kann auch zusammen mit Stressinkontinenz einhergehen, etwa 38% der Stressinkontinenz-Fälle. |