Was ist Feldenkrais?
Es gibt zwei verschiedene Anwendungsformen der Feldenkrais®-Methode.
«Feldenkrais - Bewusstheit durch Bewegung®» und «Feldenkrais - Funktionale Integration®».
Beide verfolgen das Ziel, das Unmögliche möglich, das Mögliche einfach, das Einfache elegant werden zu lassen, und das ohne Anstrengung, eher spielerisch.
«Bewusstheit durch Bewegung» wird meistens in Gruppen gelehrt. Die Teilnehmer werden durch die Feldenkraislehrerin mit Worten durch Lektionen geführt, die zwischen 30 und 90 Minuten dauern. Während der Lektionen lernen wir einerseits, uns wahrzunehmen, andererseits werden uns neue Möglichkeiten aufgezeigt.
Die Bewegungsabläufe können eine für uns klar erkennbare alltägliche Funktion, wie z. B. Aufstehen, sein, oder auch uns eher fremd anmutende Bewegungen beinhalten.
Es werden je nach Lektion Bewegungsabläufe geübt, bei denen das «Wie», also z. B. das Spüren, wie wir eine Bewegung beginnen, wichtig ist. So beginnen wir z. B. in Rückenlage mit Beinen anbeugen und vervollständigen die Bewegung bis zum Aufstehen, oder wir rollen wie ein Säugling vom Rücken auf die Seite. Moshé Feldenkrais hat unzählige derartige Lektionen entwickelt.
Sehr häufig wird in Rückenlage auf dem Boden gearbeitet. Der Boden gibt uns eine gute Kontaktfläche, so dass wir uns einfacher wahrnehmen können.
Das Liegen am Boden hilft uns durch bessere Entspannung, einfacher zu lernen.
Allen Lektionen ist gemeinsam, dass die Bewegungen ganz fein und absolut schmerzfrei sein sollen. Wir sollen Wohlbehagen empfinden, nicht Anstrengung oder Schmerz, denn so lernen wir nichts, da wir nicht differenziert spüren. Sollte etwas für uns unmöglich sein, können wir sogar in der Vorstellung allein üben, da das Zentralnervensystem, also unser Hirn, auch so lernfähig ist.
So kann «Bewusstheit durch Bewegung» vom Kindesalter bis ins Greisenalter gelernt werden. Jedes Individuum kann nach seinen speziellen Gegebenheiten, Fähigkeiten oder gar Behinderungen die Lektionen seinen Möglichkeiten entsprechend mitmachen. Es gibt keine Fehler, nichts Falsches - ein Umstand, den zu akzeptieren uns oft schwer fällt, da das Leistungsdenken tief in uns wurzelt. Der Feldenkraislehrer greift nur ein, wenn er eine Schädigung des Übenden befürchtet.
«Funktionale Integration» heisst die Einzellektion. Hier wird eine Klientin allein von der Feldenkraispädagogin während ca. 45 bis 60 Minuten betreut. Der Schüler wird durch ganz feine Berührung und Bewegung auf gewisse Stellen aufmerksam gemacht und auf neue Möglichkeiten hingewiesen, aber meist ohne verbale Anleitung. Das Fühlen ist im Vordergrund. Die Thematik der «Funktionalen Integration» kann derjenigen einer «Bewusstheit durch Bewegung» - Lektion entsprechen, also z.B. wie kann ich leichter vom Rücken auf die Seite rollen.
Die Feldenkraismethode wird durch den derzeitig herrschenden Körperkult oft missverstanden. Feldenkrais’ Lektionen sind zwar auf Bewegung basierend und schaffen Körperbewusstsein, aber die Wirkung betrifft nach seiner Lehre immer auch Gefühle, Sinnesempfindung und Denken. Nicht nur das Bewegungsmuster wird verändert, sondern gleichzeitig damit gekoppelt das Denken, Wahrnehmen und Fühlen, da diese Teile miteinander verbunden sind. Daher auch «Bewusstheit durch Bewegung», also Bewegung als Mittel zum Zweck, mit dem Ziel von mehr Bewusstheit, nicht nur Bewegung. |
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